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Fremdgehen verzeihen: Kann eine Beziehung danach noch funktionieren?

  • Autorenbild: Christian Asperger
    Christian Asperger
  • 24. Feb.
  • 5 Min. Lesezeit

Fremdgehen – kaum ein anderes Thema sorgt in Beziehungen für so viel Schmerz, Unsicherheit und tiefgreifende Veränderungen. Die Frage, ob eine Beziehung nach einem Seitensprung noch funktionieren kann, beschäftigt viele Paare, die mit diesem Vertrauensbruch konfrontiert werden.


In meiner Praxis als systemischer Therapeut habe ich zahlreiche Paare auf diesem schwierigen Weg begleitet. Manche haben sich getrennt, andere konnten ihre Beziehung erneuern und vertiefen. Doch was macht den Unterschied?



Für die Einleitung des Blogs 'Kompetenzen einer Führungskraft' dient ein Bild von Papierschiffen, die hintereinander aufgereiht sind. Angeführt werden sie von einem blauen Schiff, das mit kleinen Fähnchen geschmückt ist.

Was Sie hier erfahren können


  • Warum es zum Fremdgehen kommt und welche Ursachen dahinterstehen

  • Wie Sie die erste Zeit nach dem Bekanntwerden eines Seitensprungs bewältigen können

  • Welche Rolle eine Paartherapie spielt und wie sie abläuft

  • Welche Voraussetzungen für eine erfolgreiche Aufarbeitung notwendig sind

  • Wie Vertrauen wiederhergestellt werden kann und welche Strategien helfen

  • Praxisbeispiele aus meiner therapeutischen Arbeit, die zeigen, wann eine Beziehung gerettet werden kann – und wann eine Trennung die bessere Lösung ist



Inhaltsverzeichnis


 

1. Warum kommt es zum Fremdgehen?


Fremdgehen passiert selten ohne Grund. In meiner Praxis berichten Klienten oft von Gefühlen der Vernachlässigung, sexueller Unzufriedenheit oder dem Wunsch nach Abenteuer.


Ein Beispiel ist Markus (43), ein erfolgreicher Anwalt, der sich von seiner Frau emotional nicht mehr wahrgenommen fühlte. Nach der Geburt ihres zweiten Kindes hatte sie sich völlig auf die Familie konzentriert, während er sich zunehmend einsam fühlte. Seine Affäre begann als Freundschaft mit einer Kollegin, die ihm wieder das Gefühl gab, gesehen und wertgeschätzt zu werden. Der Seitensprung war für ihn keine bewusste Entscheidung, sondern ein schleichender Prozess.


Ein anderes Beispiel ist Anna (38), Unternehmerin, die in meiner Praxis erzählte, dass ihr Mann seit Jahren kaum noch Interesse an ihr zeigte. Sie fühlte sich unattraktiv und nicht begehrt. Die Begegnung mit einem Mann, der ihr wieder Komplimente machte, ließ sie aufblühen. Was als harmlose Schwärmerei begann, entwickelte sich zu einer Affäre.


Solche Geschichten zeigen, dass ein Seitensprung oft Ausdruck tieferliegender Beziehungsprobleme ist. Erst wenn Paare diese verstehen, kann eine Zuwendung beginnen.


Weibliche, moderne Führungskraft vor einem Team

 

2. Die erste Zeit nach dem Bekanntwerden


Wenn ein Seitensprung ans Licht kommt, ist das für beide Seiten ein Schock. Ein Paar, das ich begleitete, beschrieb diesen Moment als „den schlimmsten Tag unseres Lebens“. Während die betrogene Partnerin zwischen Wut und Trauer schwankte, fühlte sich der untreue Ehemann hin- und hergerissen zwischen Schuld und Angst vor dem Verlust seiner Familie.


In solchen Momenten hilft es, sich bewusst Zeit zu nehmen, um die Emotionen zu ordnen. Ein anderes Paar entschied sich beispielsweise für eine zweiwöchige Pause, in der sie sich räumlich trennten, um nachzudenken. Danach konnten sie in einem geschützten Rahmen über das Geschehene sprechen.


In der ersten Zeit nach dem Bekanntwerden eines Seitensprungs geht es darum, die Gefühle beider Seiten ernst zu nehmen. Offene Kommunikation ist essenziell, aber auch professionelle Unterstützung kann helfen, den Schmerz besser zu verarbeiten.


Bild einer Frau in Bluse und Rock, die in die Ferne blickt. Im Hintergrund zeichnet sich ihr Schatten in der Form einer Superheldin mit wehendem Umhang ab. Dieses Bild soll die Vorbildfunktion als Kompetenz von Führungskräften verdeutlichen.

 

3. Kann eine Paartherapie helfen?


Viele Paare, die in meine Praxis kommen, stehen vor der Frage, ob eine Paartherapie nach einem Seitensprung überhaupt sinnvoll ist. Die Antwort hängt von der Bereitschaft beider Partner ab, sich mit der Situation auseinanderzusetzen.


Voraussetzungen für eine erfolgreiche Paartherapie


Damit eine Paartherapie gelingen kann, müssen beide Partner gewillt sein, sich mit den Ursachen des Seitensprungs auseinanderzusetzen. Der untreue Partner muss Verantwortung für sein Handeln übernehmen und offen für Veränderungen sein. Gleichzeitig muss der betrogene Partner bereit sein, sich auf einen Heilungsprozess einzulassen, auch wenn der Schmerz noch groß ist. Gegenseitiger Respekt und ein ehrliches Interesse daran, die Beziehung zu retten, sind essenziell.


Mögliche Ziele einer Paartherapie


Jede Therapie setzt sich individuelle Ziele. Häufige Anliegen sind:


  • Verstehen, warum es zum Seitensprung kam

  • Herausfinden, ob die Beziehung fortgeführt werden soll

  • Wiederherstellung von Vertrauen und emotionaler Nähe

  • Verbesserung der Kommunikation und Konfliktbewältigung

  • Entwicklung neuer Beziehungsrituale und Verhaltensweisen


Ablauf einer Paartherapie


Der Therapieprozess beginnt oft mit einer ersten Bestandsaufnahme: Was ist passiert? Wo stehen beide Partner emotional? In den ersten Sitzungen geht es darum, einen sicheren Raum für Gespräche zu schaffen, in dem beide ihre Verletzungen, Ängste und Hoffnungen offen ansprechen können.


Im weiteren Verlauf wird analysiert, welche Muster zur Affäre geführt haben. Gab es Vernachlässigung, fehlende Kommunikation oder unerfüllte Bedürfnisse? Anhand dieser Erkenntnisse werden gezielt neue Strategien entwickelt, um die Beziehung zu stärken. Übungen zur Verbesserung der Kommunikation, zur Wiederherstellung von Nähe und zum Aufbau von Vertrauen sind zentrale Bestandteile.


Die Dauer einer Paartherapie variiert. Manche Paare benötigen nur wenige Sitzungen, um Klarheit zu gewinnen, während andere einen längeren Prozess durchlaufen. Wichtig ist, dass Fortschritte kontinuierlich überprüft und die gesetzten Ziele angepasst werden.


Ein Beispiel aus meiner Praxis ist Jens (50) und Katharina (48). Nach dem Bekanntwerden von Jens' Affäre war Katharina tief verletzt, wusste aber auch, dass sie ihre 20-jährige Ehe nicht leichtfertig aufgeben wollte. In der Therapie lernten sie, ehrlich über ihre Bedürfnisse zu sprechen. Jens erkannte, dass er sich oft aus Gesprächen zurückgezogen hatte, anstatt offen über seine Unzufriedenheit zu sprechen. Katharina verstand, dass ihre emotionale Distanz eine Rolle gespielt hatte. Durch strukturierte Gespräche, bewusste gemeinsame Zeit und regelmäßige Reflexion konnten sie ihre Ehe neu aufbauen.


Im Gegensatz dazu entschieden sich Tom (39) und Julia (36) nach mehreren Sitzungen, getrennte Wege zu gehen. Julia konnte den Vertrauensbruch nicht überwinden, und Tom erkannte, dass er in der Beziehung nicht mehr glücklich war. Die Therapie half ihnen, sich respektvoll zu trennen und ein faires Co-Parenting für ihre gemeinsamen Kinder aufzubauen.


Die Paartherapie bietet somit nicht nur eine Chance zur Rettung einer Beziehung, sondern auch zur bewussten Entscheidung, ob und wie es weitergehen soll.



Das Bild zeigt einen Mann im Anzug, der eine Treppe hinaufsteigt. Es veranschaulicht, wie Coaching dabei helfen kann, die Kompetenzen einer Führungskraft zu entwickeln und zu stärken.
 

4. Vertrauen wieder aufbauen – geht das überhaupt?


Vertrauen wiederherzustellen ist ein langwieriger Prozess. Paare müssen bereit sein, sich diesem schmerzhaften, aber auch lohnenden Weg zu stellen. Eine Frau, die von ihrem Mann betrogen wurde, beschrieb es so: „Jeder Tag war eine neue Herausforderung. Manchmal dachte ich, es wird nie wieder gut, doch mit der Zeit konnte ich ihm langsam wieder glauben.“


Transparenz ist entscheidend. Einer meiner Klienten, der seine Frau betrogen hatte, entschied sich bewusst dafür, ihr jederzeit Einblick in sein Handy und seine E-Mails zu geben. Anfangs empfand er das als unangenehm, doch es half seiner Frau, langsam wieder Vertrauen zu fassen.


Ein weiteres Paar stellte fest, dass gemeinsame Rituale ihnen halfen, sich wieder näherzukommen. Sie führten einen festen Abend in der Woche ein, an dem sie über ihre Gefühle sprachen – nicht nur über den Seitensprung, sondern über alles, was sie beschäftigte. Diese neuen Kommunikationswege stärkten ihre Beziehung nachhaltig.


 

5. Fazit: Kann eine Beziehung nach dem Fremdgehen noch funktionieren?


Ob eine Beziehung nach einem Seitensprung noch eine Zukunft hat, hängt von vielen Faktoren ab. In meiner Praxis habe ich erlebt, dass es möglich ist, wenn beide Partner bereit sind, sich mit den Ursachen auseinanderzusetzen und aktiv an ihrer Partnerschaft zu arbeiten. Es braucht Zeit, Geduld und vor allem den echten Wunsch, wieder zusammenzufinden.


Ein Seitensprung muss nicht zwangsläufig das Ende bedeuten – er kann auch ein Wendepunkt sein. Manche Paare finden nach einer Affäre sogar zu einer tieferen, ehrlicheren Beziehung, weil sie gelernt haben, bewusster miteinander umzugehen. Andere erkennen, dass ihre Partnerschaft auf Dauer nicht mehr tragfähig ist, und trennen sich in Frieden.


Wichtig ist, dass Paare sich die Frage stellen: Wollen wir beide diese Beziehung noch? Wenn die Antwort ja lautet, dann gibt es Wege, das Vertrauen und die Liebe neu aufzubauen.



Das Bild zeigt einen Mann von hinten in einem grauen Anzug, der eine Treppe hinaufsteigt und auf ein Licht zugeht. Er wirkt wie ein starker Leader, der die Kompetenzen einer Führungskraft erworben hat.
 

6. Mein Therapie-Ansatz kann helfen


Paartherapeut 1020 Wien

In meiner Rolle als Psychotherapeut integriere ich meine langjährige Erfahrung aus meiner Praxis als Psychotherapeut sowie als Führungskraft in Konzernen mit einer soliden Ausbildung in systemischer Psychotherapie und Coaching. Mein Ansatz basiert auf dem Verständnis der Menschen im Kontext ihrer sozialen Beziehungen und der Konzentration auf das "Wie" gegenwärtiger Situationen. Ich betrachte Klienten als Experten ihrer eigenen Fälle und vermeide es, Themen zu vertiefen, die sie nicht aktiv einbringen.


Neben meiner beruflichen Tätigkeit engagiere ich mich in kontinuierlichen Weiterbildungen und genieße meine Freizeit mit meiner Familie und Outdoor-Aktivitäten. Meine Qualifikationen umfassen systemische Psychotherapie, Paartherapie, hundegestützte Therapie, EMDR, systemisches Coaching und ein Studium der Betriebswirtschaft.



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